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Kultur

Die belarussische Kultur, indem sie zur Aufbewahrung der nationalen Tradition tendiert, ist gleichzeitig ein Bestandteil der europäischen und der Weltkultur. Bereits Ende des 10. Jahrhunderts, wo sich auf dem Gebiet des heutigen Belarus’ das Christentum des byzantinischen Ritus zu verbreiten begann, bemühte man sich um die Förderung von Kultur, Steinbau, Malerei und Literatur.

In den 50er Jahren des 11. Jahrhunderts wurde in Polozk die Sophien-Kathedrale erbaut – der erste Monumentalbau auf dem belarussischen Territorium. 1161 schuf der Juwelenmeister Lasar Bogscha ein einzigartiges Kreuz für die Aufklärerin Jefrassinja Polazkaja – ein Meisterwerk der ostslawischen angewandten Kunst. Unter den christlichen Predigern ist vor allem Kirila Turauski bekannt, der Autor der „Wortpredigten“. Das Turower Evangelium vom 11. Jahrhundert ist erhalten geblieben. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts begann sich die altbelarussische Sprache herauszubilden. Von der Mitte des 14. bis ans Ende des 17. Jahrhunderts war Altbelarussisch die Amtssprache des Großfürstentums Litauen, dessen Gründung im 13. Jahrhundert sich positiv im Fortschritt der belarussischen Kultur niedergeschlagen hat. Die Nähe des Großfürstentums zu mittel- und westeuropäischen Ländern, hohes Niveau der geistig-kulturellen Entwicklung der Bevölkerung förderten die Verbreitung der progressiven Ideen von Renaissance und Reformation im Lande.

Neben Jefrassinja Polazkaja und Kirila Turauski darf unter den hervorragenden belarussischen Aufklärern der Name von Franzysk Skaryna, dem belarussischen Humanisten, Erstbuchdrucker und Herausgeber der ersten in dem ostslawischen Raum gedruckten Bibel (1517-1519), nicht fehlen. Belarus und Deutschland haben tiefe historische und kulturelle Verbindungen. Seit der Renaissance-Epoche befinden sich unsere Länder im gemeinsamen europäischen Kulturraum. Es ist kennzeichnend, dass 2017 der 500. Jahrestag der Reformation in Deutschland mit dem 500. Jahrestag des Belarussischen Buchdrucks – dem Erscheinen des ersten Buches des belarussischen Aufklärers und Humanisten Franzisk Skaryna – zusammenfiel.Von allen Druckwerken Skarynas sind bis heute insgesamt 360 Exemplare bekannt. Die in der Oberlausitzischen Bibliothek befindliche Bibel ist das einzige Exemplar in einer deutschen Bibliothek, das mehrmals, darunter im Jahr 2017 – anlässlich des 500. Jahrestages des Belarussischen Buchdrucks, ausgestellt wurde. Nicht weniger waren im damaligen Europa die Namen seiner Kollegen und Nachfolger – Mikola Hussouski, Autor des Poems „Das Wisentlied“ in der lateinischen Sprache, Symon Budny, Autor zahlreicher Werke in altbelarussischer, polnischer und lateinischer Sprache – bekannt.

Nachdem das Großfürstentum Litauen eine Union mit Polen gegründet hatte, kam es zu einer Polonisierung des Landes, die nach der Teilung Polens Ende des 18. Jahrhunderts durch Russifizierung abgelöst wurde. Trotz der verschlechterten Rahmenbedingungen, konnte die belarussische Kultur fortbestehen und sich weiter entwickeln. Zur Grundlage der Wiederbelebung im 19. Jahrhundert wurde die Literatur, deren Geschichte viele Jahrhunderte zählt. Sie ist eng mit der mündlichen Volksdichtung der Belarussen verbunden, die als eine der reichsten in der slawischen Welt gilt. Zu dem „goldenen“ Grundbestand der heutigen belarussischen Sprache und Kultur gehören klassische Werke von Janka Kupala, Jakub Kolas, Maxim Bahdanowitsch, Winzent Dunin-Marzinkewitsch, Franzischak Bahuschewitsch, Elaisa Paschkewitsch.

Belarussische Literatur gewann immer mehr am internationalen Ruf. Bereits gegen Mitte des 20. Jahrhunderts waren Werke der belarussischen Schriftsteller weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Zu den größten Vertretern der belarussischen Literatur in der Nachkriegszeit zählen Wassil Bykau, Ales Adamowitsch, Uladzimir Karatkewitsch, Maxim Tank, Pimen Pantschanka, Iwan Melesh, Janka Bryl, Jauhenija Janischtschyz. Die zeitgenössische nationale Literatur ist von einer harmonischen Dualität traditionalistischer und postmodernistischer Strömungen geprägt.

Die ältesten Kunstdenkmäler auf dem Territorium von Belarus reichen bis in das Spätpaläolithium zurück. Man kann über die Geschichte der belarussischen bildenden Kunst als einer eigenartigen Einheit von Kunstkulturen Altrusslands und Westeuropas ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts sprechen. Der Ost-West-Dualismus wurde zum Leitmotiv aller Bereiche der belarussischen Kunst, deren Realien zu Symbolen der nationalen Identität geworden sind. Die Gürtel von Sluzk, vielfarbige „Kaflja“ (Kacheln), durchbrochene „Wyzinanka“ (Scherenschnitte) und Schnitzereien, das Kreuz von Jefrassinja Polazkaja und das belarussische Ballett gelten als allgemeinanerkannte Zeugnisse der belarussischen kulturellen Präsenz in Europa. Belarussen sind stolz darauf, dass ihr Land als Geburtsort oder Quelle der Inspiration für viele berühmte Künstler Europas bekannt geworden ist, u.a. die führenden Vertreter des Avantgardismus Marc Chagall, Kasimir Malewitsch, Wassilij Kandinski; Komponisten Stanislaw Moniuszko und Mikhail Oginski; Klassiker der polnischen Literatur Adam Mickewicz und Eliza Ozeszko. Eine herausragende Seite im künstlerischen Leben von Belarus ist die Tätigkeit der Witebsker Kunstschule, die in den Jahren 1918-1920 mit Namen von Marc Chagall, auf dessen Initiative sie entstand, sowie von Lazar Lissizki und vom Gründer des Suprematismus Kasimir Malewitsch assoziiert wird.

Die moderne bildende Kunst in Belarus zeichnet sich durch kreative Suche und Vielfalt der Stilrichtungen aus. Zu den führenden Künstlern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählen u.a. Michail Sawizki, Vital Zwirka, Iwan Achremtschyk, Uladzimir Stelmaschonak, Maj Danzig, Leanid Schtschamjaljou, Arlen Kaschkurewitsch, Gauryla Waschtschanka, Viktar Alscheuski, Ninel Schtschasnaja. Belarussisches Kunst-gewerbe ist ein untrennbarer Bestandteil der Nationalkultur. Gegenstände aus Weide, Holz, Stroh, Ton, eigenartig nach Form und konstruktiver Lösung, Bekleidungsstücke aus Flachs stellen belarussische Meister her.

Die musikalische Kultur in Belarus hat eine reiche Geschichte und umfasst sowohl die einzigartige Folklore, als auch mehrere Meisterwerke der einheimischen Komponisten verschiedener Epochen und Strömungen. Als große kulturelle Erscheinung, auch im europäischen und Weltmaßstab, lässt sich die berühmteste belarussische Band des 20. Jahrhunderts „Pesnjary“ bezeichnen, deren Schaffen von der fruchtbaren Verflechtung der volkstümlichen musikalischen Traditionen und modernen Trends geprägt ist. Das hervorragende künstlerische Niveau belarussischer Musiker ist durch zahlreiche Auszeichnungen in den internationalen Musikwettbewerben bestätigt worden.

In Belarus funktionieren 27 staatliche Theater, darunter zwei Opernhäuser, 18 Sprechbühnen und Musiktheater, 7 Puppentheater und ein Kinder- und Jugendtheater, 69 Musik- und Choreographiekollektive, 160 Museen, über 3,7 Tsd. Bibliotheken, über 27 Tsd. Einrichtungen der Volks- und Laienkunst. Es gibt außerdem 523 Musikschulen, Kunst- und Malereischulen für Kinder (nach dieser Kennziffer nimmt das Land eine führende Position in Europa ein) sowie 3 Hochschuleinrichtungen für Kultur und Kunst.

In Belarus werden zahlreiche internationale Festivals und Ausstellungen veranstaltet, darunter internationale Musikfestivals: „Slawjanski Basar in Witebsk“, „Belarussischer Musikherbst“, „Minsker Frühling“, „Goldener Schlager“, Jazzmusikfestival, Kammer-musikfestival „Musen von Neswish“; Festspiele der modernen Choreographie in Witebsk, Theaterfestspiele „Belaja Wesha“ in Brest; Festivals des belarussischen Liedes und der Poesie in Molodetschno sowie das der alten und modernen Musik in Polozk. Das renommierteste Musikfestival ist zweifellos „Slawjanski Basar in Witebsk“, dass auch über die Grenzen von Belarus hinaus immer bekannter wird.

Seit 2006 steht das neue Gebäude der Nationalbibliothek von Belarus für Besucher offen, die zu Recht als das bedeutendste Kultur- und Informationszentrum des Landes bezeichnet wird. Das neue Gebäude der Bibliothek wurde nach einem originellen Entwurf der belarussischen Architekten in Form eines geschliffenen Diamanten errichtet. Die Nationalbibliothek umfasst nicht nur 22 geräumige, mit modernster Technik ausgerüstete Lesesäle, sondern auch einen multifunktionalen Konferenzsaal, einen Museumskomplex, einen Musiksalon, eine Gemäldegalerie, einen Sport- und Wellnesskomplex, einen Kinderraum sowie 2 Aussichtsplattformen.

2009 wurde nach der Rekonstruktion das in 30er Jahren des XX Jahrhunderts entstandene Gebäude des Nationalen Akademischen Bolschoj Opern- und Balletthauses eingeweiht, das jetzt mehr als 1,2 Tsd. Gäste aufnehmen kann.

2015 hat die belarussische Journalistin und Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch den Literaturnobelpreis bekommen. Das Komitee zeichnete die Autorin für ihr Werk aus, “das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt”.