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Die Tschernobyl-Katastrophe und ihre Folgen

Am 26. April 1986 ereignete sich der Super-GAU in dem in der Ukraine liegenden Atomkraftwerk von Tschernobyl. Dieser wurde zur größten technogenen Katastrophe der Welt, bei der fast ein Viertel des Territoriums der Republik Belarus verseucht wurde (23 Prozent).

Die Tschernobyl-Tragödie hat enorm das Leben der Menschen, die Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur der Republik Belarus beeinflusst. Der Gesamtschaden durch die Folgen des Unfalls wird für den dreißigjährigen Zeitraum auf 235 Mrd. US-Dollar geschätzt und beträgt das 32-fache des Jahresstaatsbudgets von 1985.

Die Katastrophe hat auch die Landwirtschaft von Belarus wesentlich beeinträchtigt. Das Land hat etwa ein Fünftel seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche verloren. Jährlich kostet dieser Verlust dem Staat mehr als 700 Mio. US-Dollar.

In den verseuchten Gebieten sind 132 Minerallagerstätten, etwa ein Viertel des Waldfonds und fast 350 belarussische Industriebetriebe geblieben.

Fast 2 Mio. Einwohner der Republik Belarus wurden von der Tschernobylkatastrophe direkt oder indirekt betroffen. Mehr als 1,3 Mio. Menschen, darunter fast 500 Tsd. Kinder und Jugendliche, wohnen nach wie vor in den vom Fallout betroffenen Gebieten.

Die medizinischen Folgen der Katastrophe haben ihren Ausdruck in der Zunahme von Krebserkrankungen gefunden. Die am meisten verbreitete Krankheit ist Schilddrüsenkrebs, der nach der Katastrophe fast um das 40-fache bei den Kindern und um das 7-fache bei den Erwachsenen gestiegen ist.

Die Katastrophe hatte schwere sozial-psychologische Nachwirkungen: wegen ihrer Umsiedlung und der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes mussten viele Belarussen ihre Lebensweise ändern und einen neuen Arbeitsplatz suchen. Die Anpassung an neue Lebensbedingungen fiel den Menschen oft schwer.

Eine langfristige und umfassende Überwindung der Katastrophenfolgen unter Berücksichtigung des Ausmaßes ihrer ökologischen und wirtschaftlichen Gefahr bedarf komplexer Maßnahmen, die viel Zeit und erhebliche Finanzmittel in Anspruch nehmen.

Die Maßnahmen zur Linderung der Katastrophenfolgen werden fortgesetzt. Belarus, ein Land mit mittlerem Einkommensniveau, gibt täglich für die Überwindung der Tschernobyl-Katastrophe etwa 1 Mio. USD aus. Seit 1986 betragen die Folgekosten insgesamt etwa 18 Mrd. USD ohne Hilfe aus dem Ausland. Die Ausgaben von Belarus und der internationalen Gemeinschaft zur Überwindung der Katastrophenfolgen decken nur 8 Prozent des Gesamtschadens. Etwa 5 Prozent des Staatsbudgets der Republik Belarus werden jährlich für die Bewältigung der Folgen der Tschernobyl-Katastrophe ausgegeben.

In diesem Zusammenhang ist die internationale Unterstützung bei der Überwindung der Katastrophenfolgen von sehr großer Bedeutung. Die Wiederherstellung und stabile Entwicklung dieser Region erfordert erhebliche Investitionen.

Belarus hat unter Inanspruchnahme der ausländischen Hilfe erfolgreich alle notwendigen Bedingungen für eine langfristige Wiederherstellung des betroffenen Territoriums geschafft. Dazu gehört die umfassende Rechtsbasis, die alle staatlichen Aktivitäten in diesem Bereich regelt, eine sorgfältige medizinische Untersuchung der Bevölkerung, die abgeschlossene Umsiedlung der Menschen aus den am meisten kontaminierten Gebieten, die Schaffung eines umfassenden Systems des Sozialschutzes für die betroffene Bevölkerung und eines Systems der radioaktiven Kontrolle sowie die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den betroffenen Regionen.

Das Reaktorunglück hat einen starken Impuls zur Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit gegeben, an der sich nicht nur Regierungen und internationale Organisationen beteiligen, sondern auch Ärzte, Wissenschaftler und einfache Menschen – sie alle bemühen sich, den von der Katastrophe betroffenen Kindern und Erwachsenen zu helfen.

Die Systematisierung der Erkenntnisse und Ausarbeitung der Empfehlungen für die Überwindung der Katastrophenfolgen erfolgt auch im Rahmen der UNO. Der Zeitraum von 2006 bis 2016 wurde auf belarussische Initiative von der UN-Generalversammlung zum Jahrzehnt des Wiederaufbaus und der nachhaltigen Entwicklung der betroffenen Regionen proklamiert. Das Sonderaktionsprogramm für dieses Jahrzehnt ist darauf gerichtet, die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft bei der Überwindung der Katastrophenfolgen zu aktivieren. Die Hilfe der UN-Institutionen für Belarus beträgt insgesamt mehr als 50 Mio. USD.

Zusätzlich bekommt Belarus jährlich etwa 50 Mio. USD unentgeltlicher humanitärer Hilfe von Wohlfahrtsorganisationen und Privatpersonen.

Zugleich sind aber alle diese Mittel für die vollständige Wiederherstellung und die standfeste Entwicklung der betroffenen Gebiete unzureichend.

Eine große Bedeutung für die Linderung der Folgen der Tschernobylkatastrophe hat die Gesundung der Kinder aus den betroffenen Regionen. Die Rehabilitierung der Kinder in Belarus wird von Jahr zu Jahr ausgedehnt. Im Lande sind 14 Kinder-Rehabilitationszentren geschaffen, die sich das ganze Jahr hindurch auf die Gesundung der vom Tschernobylunfall Betroffenen spezialisieren. Jährlich können mehr als 120 000 Kinder in diesen Einrichtungen einen Aufenthalt absolvieren.

Gleichzeitig unterstützt Belarus auch die langjährige Praxis der Gesundung der Kinder im Ausland. Die Länder, die traditionell viele belarussische Kinder empfangen, sind Italien, Deutschland, Irland, Spanien, die USA, Kanada.

Die Ausreise der Kinder ins Ausland beeinflusst die Gesundheit und den psychologischen Zustand der Kinder positiv. Allerdings gehört die Gewährleistung der Sicherheit der Kinder während ihrer Auslandsreisen sowie die Beachtung ihrer Rechte zum wichtigen Bestandteil der Erholungsaufenthalte. In diesem Zusammenhang dürfen die belarussischen Kinder zwecks Gesundung nur in diejenigen Länder ausreisen, mit denen Belarus ein völkerrechtliches Abkommen über die Rahmenbedingungen der Gesundung von Kindern abgeschlossen hat.

Die Vereinbarung zwischen der Regierung der Republik Belarus und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland über die Bedingungen der Erholungsaufenthalte für die minderjährigen Bürger der Republik Belarus in der Bundesrepublik Deutschland wurde am 11.Februar 2009 abgeschlossen. Damit wurde die gesetzliche Grundlage für die Fortsetzung von Erholungsreisen der von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl betroffenen belarussischen Kinder nach Deutschland geschaffen, die sich während der vergangenen Jahren als sehr erfolgreich erwiesen haben.