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40 Jahre seit der Tschernobyl-Havarie

22.04.2026 г.

Die Havarie im Kernkraftwerk Tschernobyl war der schwerste Strahlenunfall, der weitreichende wirtschaftliche sowie sozialpsychologische Folgen nach sich zog. Sie beeinflusste das Schicksal von Millionen von Menschen und erforderte den maximalen Einsatz von Kräften und Mitteln, um ihre Folgen zu bewältigen.

Auf das Gebiet der Republik Belarus fielen 35 % der in Tschernobyl freigesetzten Cäsium-137-Niederschläge – des Haupt-Radionuklids, das derzeit die Strahlungslage bestimmt. 23 % des Staatsgebiets wurden verschmutzt, darunter mehr als 1,8 Millionen Hektar landwirtschaftliche Flächen (etwa 20 % ihrer Gesamtfläche) und mehr als 2 Millionen Hektar Wald (etwa 23 %). Praktisch das gesamte Gebiet war mit kurzlebigen radioaktiven Jodisotopen (hauptsächlich Jod-131) verschmutzt.

Von der Katastrophe waren 56 Regionen der Republik betroffen, mehr als 3.600 Ortschaften mit einer Bevölkerung von rund 2,5 Millionen Menschen, darunter 1,5 Millionen Kinder.

Im Jahr 1986 wurden 24.700 Einwohner aus 107 Ortschaften in den Bezirken Bragin, Narowla und Choiniki im Gebiet Gomel evakuiert. Um das Kernkraftwerk Tschernobyl herum wurde eine 30 Kilometer breite Sperrzone eingerichtet.

479 Ortschaften wurden aufgelöst (306 im Gebiet Gomel, 173 im Gebiet Mogilev). In den Umsiedlungsgebieten blieben mehr als 26.000 private Gehöfte und öffentliche Gebäude verlassen stehen.

Zu den am stärksten betroffenen Gebieten (gemessen am Anteil der verschmutzten Gebiete, der kollektiven Strahlendosis und den Verlusten an landwirtschaftlichen Flächen infolge der Verschmutzung) zählen 21 Regionen des Landes. In der Verschmutzungszone befanden sich etwa 340 Industriebetriebe. Einige von ihnen stellten ihren Betrieb ein oder erlitten große Verluste und Schäden.

Der Gesamtschaden (einschließlich der Verluste aufgrund der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Bevölkerung, der Schäden in der Industrie und im sozialen Bereich, in der Landwirtschaft, im Bauwesen und anderen Wirtschaftszweigen, Kosten für Maßnahmen zur Beseitigung und Minimierung der Folgen der Katastrophe sowie zur Gewährleistung sicherer Lebensbedingungen für die Bevölkerung) durch die Katastrophe von Tschernobyl wird auf 235 Milliarden US-Dollar geschätzt, was dem 32-fachen des Staatshaushalts der Republik von 1985 entspricht. Art und Ausmaß des Schadens waren starke destabilisierende Faktoren für die sozioökonomische Entwicklung der Republik.

Derzeit befindet sich Belarus in einer neuen Phase der Bewältigung der Folgen von Tschernobyl. Der Übergang von der Sanierung der betroffenen Gebiete zu deren aktiver Wiederbelebung und beschleunigter sozioökonomischer Entwicklung unter strikter Einhaltung der erforderlichen Strahlenschutzmaßnahmen ist vollzogen.

Die Maßnahmen der staatlichen Programme in den betroffenen Gebieten zielen darauf ab, Lebensbedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, die negativen Auswirkungen der radioaktiven Verschmutzung zu minimieren; gleichzeitig dienen sie dem sozialen Schutz der Bevölkerung und wirken sich positiv auf die sozioökonomische Entwicklung der Gebiete aus.

Die Fragen der sozialen Absicherung und des ökologischen Wohlergehens werden auf der Grundlage einer dynamischen und nachhaltigen Entwicklung der Tschernobyl-Regionen umfassend gelöst. Ein Nachweis darüber ist die Verabschiedung des Entwicklungsprogramms für die Gebiete des Pripyats-Polessye für die Jahre 2025 — 2030. Die Strategie zur Entwicklung der Regionen basiert auf drei Hauptkomponenten: einer effizienten und ausgewogenen Wirtschaft, körperlichem und seelischem Wohlbefinden sowie komfortablen Lebensbedingungen. Dabei werden die Spezialisierung jeder Region sowie die Besonderheiten der wirtschaftlichen Tätigkeit unter den Bedingungen der Schutzmaßnahmen im Rahmen der Beseitigung der Folgen der Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl berücksichtigt.

Gemäß den Verordnungen des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko wird das groß angelegte Projekt „Entwicklung der südöstlichen Region des Gebiets Mogilev“ umgesetzt, das auf die Ankurbelung der Wirtschaft und die Verbesserung der Lebensqualität in den vom Tschernobyl-Katastrophe am stärksten betroffenen Gebieten abzielt.

Der 26. April ist ein Gedenktag in Belarus – der Tag der Tschernobyl-Tragödie. An diesem Tag finden im ganzen Land Gedenkveranstaltungen statt. Alle gedenken der Helden von Tschernobyl, jenen, die ohne Rücksicht auf Leib und Leben die radioaktive Katastrophe aufgehalten und großes Unheil verhindert haben. Im Wortschatz der Belarussen ist ein neues Wort aufgetaucht – „Umsiedler“. Sie haben das Wichtigste verloren – ihr Zuhause, ihre gewohnte Umgebung. In Belarus gedenkt man den Helden, die unmittelbar an der Brandbekämpfung im Kernkraftwerk Tschernobyl beteiligt waren. Jedes Jahr am Tag der Tragödie findet auf dem zentralen Platz von Bragin, das 45 km vom Reaktor entfernt liegt, eine Gedenkkundgebung statt – am Denkmal für die evakuierten Dörfer und an der Büste des Feuerwehrmanns Vasily Ignatenko, der zusammen mit einer Gruppe von Kameraden unter Einsatz seines Lebens dem Feuer den Weg versperrte. In Minsk ist eine Straße nach Vasily Ignatenko benannt. Die Erinnerung an die Katastrophe von Tschernobyl spiegelt sich in der Literatur, in kulturellen Werken und in der Kunst wieder.

Seit der Katastrophe von Tschernobyl sind bereits 40 Jahre vergangen. Veranstaltungen, die darauf abzielen, die Erinnerung an das kulturelle Erbe von Tschernobyl zu bewahren, sind sowohl als Zeichen des Respekts für den Mut und die Heldentaten als auch als Mahnung für künftige Generationen unerlässlich. Die Erinnerung an die Folgen des Unfalls im Kernkraftwerk Tschernobyl muss für die Menschen als unschätzbare Lehre und Mahnung für künftige Generationen für immer bewahrt werden. Es ist wichtig, dass nicht nur die Bürger der Staaten, die den Hauptschlag der Katastrophe abbekommen haben, an die Tragödie von Tschernobyl denken, sondern die gesamte Weltgemeinschaft.

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