Handels- und Wirtschaftsbeziehungen
Seit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen im Jahr 1992 gehört Deutschland zu den wichtigsten Wirtschaftspartnern von Belarus.
Zur Förderung der belarussisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen haben Minsk und Berlin eine Reihe bilateraler institutioneller Formate eingerichtet, deren Arbeit sich auf die Entwicklung einer vertraglichen Rechtsgrundlage, die Herstellung von Branchen- und Geschäftskontakten sowie die Festlegung aussichtsreicher Kooperationsbereiche konzentrierte:
Belarussisch-deutsche Arbeitsgruppe Handel und Investitionen,
Belarussisch-deutsche Arbeitsgruppe für wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit,
Belarussisch-deutsche Gemischte Kommission für den Personen- und Güterkraftverkehr auf der Straße,
Belarussisch-deutscher Nichtregierungsrat für wirtschaftliche Zusammenarbeit,
Belarussisch-deutsche Energieforen.
Derzeit ist die Arbeit dieser Plattformen auf Initiative der deutschen Seite ausgesetzt.
Deutschland spielte traditionell eine wichtige Rolle auf dem belarussischen Markt für Direktinvestitionen. Bis 2020 waren in Belarus in der einen oder anderen organisatorisch-rechtlichen Form ständig etwa 500 deutsche Unternehmen vertreten, darunter auch führende Konzerne. Bis heute hat sich diese Zahl fast halbiert.
Seit 2021 zeigt der Handel mit Waren und Dienstleistungen zwischen Belarus und Deutschland, der zuvor mehrere Milliarden Euro betrug, einen anhaltenden Abwärtstrend. Infolge der restriktiven Maßnahmen der EU, die gegen internationales Recht verstoßen, und der in Deutschland verbreiteten Praxis ihrer extensiven Auslegung wurden in den letzten Jahren die Lieferungen einer ganzen Reihe von belarussischen Gütern, die auf dem deutschen Markt sehr gefragt waren (Erdöl und Erdölprodukte, Holzprodukte, Metallprodukte, Düngemittel usw.) und zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft beitrugen, eingestellt.
In den letzten Jahren hat sich aufgrund der Sanktionen auch die Rolle Deutschlands als führender Lieferant von Investitionsgütern, darunter Transportmittel, landwirtschaftliche Maschinen, medizinische Geräte, Produktionslinien, Werkzeugmaschinen und andere Arten von Industrieausrüstung, in Belarus deutlich verringert. Die von deutschen Unternehmen frei gewordenen Nischen werden aktiv von Lieferanten aus anderen Ländern sowie von einheimischen Herstellern besetzt.
Derzeit ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland nur begrenzt möglich. Neben direkten Sanktionsbeschränkungen wird der Handel auch durch Schwierigkeiten in der Lieferlogistik und bei der Zahlungsabwicklung behindert.